Festival “BÜCHNER international” vom 22.-30.06. am Stadttheater Gießen

Liebe alle,

das lange Schweigen hat ein Ende: kommenden Samstag, den 22.06. startet die Frucht von eindreiviertel Jahren kuratorischer Vorbereitung und einem halben Jahr Endorganisation: Das einmalige Theaterfestival “BÜCHNER international” am Stadttheater Gießen, zu dem ich nun herzlich einladen möchte. Bei Theater der Zeit ist dazu bereits ein Programmbuch erschienen; hier in Kürze, worum es darin und beim Festival geht:

„BÜCHNER international – Das Theaterfestival“ 22. bis 30. Juni 2013 Stadttheater Gießen

Auf das Leben und Werk Georg Büchners lenken die Gedenkjahre 2012 und 2013 den Blick weit über Hessens Grenzen hinaus. Zu den herausragenden Veranstaltungen zählt dabei das einmalige Theaterfestival „BÜCHNER international”, das im Juni 2013 im Stadttheater Gießen stattfindet. Eingeladen sind Produktionen aus acht Ländern, die auf ästhetisch höchst unterschiedliche Weise Büchners Texte lebendig werden lassen. Mit Musiktheater aus Belgien bis Tanz aus Korea, weltberühmten Truppen wie NTGent und der Handspring Puppet Company bis „Newcomern” wie [pH2]: estado de teatro aus Brasilien bietet das Festival ein Kaleidoskop der weltweiten Büchner-Rezeption. Im Rahmenprogramm „Anatomie Büchner” wird der Dichter, Forscher und Politiker auf vielfache Weise seziert, untersucht und wieder zusammengesetzt. Zu erleben sind Performances, Vorträge und Projekte, die zum Teil eigens für das Festival entwickelt werden. „BÜCHNER international – Produktionen, Positionen, Perspektiven” stellt das Festivalprogramm ausführlich vor, versammelt daneben aber auch Essays internationaler Autoren über das Weltphänomen Georg Büchner.

Ich würde mich freuen, dem einen oder anderen von euch in Gießen (wieder) zu begegnen! Detaillierte Programminfos auf: www.buechner-international.de

Mit herzlichen Grüßen
Steffen & Lars Popp

Arbeitsbuch BÜCHNER international bei Theater der Zeit erschienen

978-3-943881-59-2

Soeben ist bei Theater der Zeit das Arbeitsbuch zum Festival BÜCHNER international erschienen. Der perfekte Vorgeschmack auf das, was das Publikum ab dem 22.06. am Stadttheater Gießen erwartet. Ich kann noch gar nicht glauben, das, was mich nun spätestens seit einem halben Jahr fast vollständig in Beschlag genommen hat, jetzt plötzlich als Buch vorliegt; nun bald live und in Farbe “passieren” – und dann auch schon wieder vorbei sein wird, sobald der Juni rum ist.

Büchner, Buch und Brivatheit

Liebe Alle,

lange gab es hier nix mehr zu hören. Das hat natürlich seine Gründe.

Einen kann man seit Kurzem unter diesem Link nachlesen. Wer sich einmal dorthinklickt, dem wird schnell klar werden, dass es bis Ende Juni auch weiterhin eher ruhig hier im Blog zugehen wird.

Der zweite Grund ist, dass das hier – wenn nichts dazwischen kommt – im Herbst bei dem dort veröffentlicht wird. Mindestens so aufregend, wie der erste Grund; für mich persönlich sogar noch mehr, als wohl für euch=Publikum. Über Teile des Wegs bis zur VÖ werde ich, spätestens wenn Grund Eins abgefeiert ist, in lockerer Folge zu berichten versuchen.

Letzter Grund ist das Familienleben. Aber das soll weiterhin weitgehend Geheimsache blieben.

Es verbleiben mit einem “Bis unbestimmt bald!”

Steffen & Lars

Das Zuvorkommende (VII): Das UNverhoffte der Kunst

Es geht um eine Kunst, die Anfänge anzeigt, wo Nihilismus herrscht, eine Kunst, die Modelle zuvorkommender Freiheit vor Augen führt und trotz allem, was dagegen spricht, eine anfängliche Entscheidung aufruft, eine immer wieder »erste Sprechweise, eine der Frage vorausgehende, zuvorkommende Antwort, Verantwortung für den Nächsten, die durch ihr ›für-den-Anderen‹ das ganze Wunder der Gebens ermöglicht.«
Das Zuvorkommende, diese Geste der Verantwortung eines in sich zerrissenen anfänglichen Sprechens, ist das Unverhoffte der Kunst. Kunst ist eine jeder Frage zuvorkommende Antwort für den Anderen.

 

Das ist die Kunst, und einzig darin ist sie nach wie vor irreduzibel, daß heißt anders als alles andere. So schön, böse und zerrissen, so gewissenlos ethisch sie auch immer sein mag und auch sein muss, um ein zuvorkommender Anfang werden zu können, und so sehr der Anfang, den sie anzeigt, immer auch Rückkehr in ihren anfänglichen Widerstreit ist: ihr Unverhofftes ist eine nicht nur schöne, sondern auch nicht-böse Gabe befreiter Nicht-Indifferenz. Und da, wo sie ein solches Wunder des Gebens ermöglich, ist Kunst, dieses ideelle Unmenschliche des Sinnlichen, mehr als ein ästhetisches Ereignis ihres Betriebs im globalen Museum alles Möglichen – der Faktizität des Kapitals.
Wilfried Dickhoff: Das Zuvorkommende. Eine Kunstkritik. Zürich-Berlin: Diaphanes, 2009, S. 53 und 55

Siehe auch UNerklärliche Kunst und, um den Bogen zurückzuschlagen: UNkunst.

Das Zuvorkommende (VI): Die UNfreiheit der Kunst

Freiheit als Freiheit für den anderen, als Verantwortung der Personalisierung, in dessen Verlauf der Mensch versucht, etwas aus dem zu machen, wozu man ihn gemacht hat? (…) Die Annahme eines Für-den-anderen des Subjekts könnte hierbei hilfreich sein, denkt sie doch das Subjekt als ein vom anderen (Menschen) her entfacht und so immer schon als verantwortlich. (…) Eine Verantwortung der Form für den Anderen befreit das Künstlersubjekt von der abgründigen Langeweile narzisstischer Depression und könnte das Subjekt der Kunst, das heißt das Werk, von vielen toten Theorien und Reduktionismen ideologiekritischer, kulturpessimistischer und kunstmetaphysischer Provenienz, freistellen.
Wilfried Dickhoff: Das Zuvorkommende. Eine Kunstkritik. Zürich-Berlin: Diaphanes, 2009, S. 41

Siehe auch UNtransparenz und das Spiel des Narziss.

Das Zuvorkommende (V): Die UNtopie der Kunst

Das Unmögliche hat nichts mit der Utopie zu tun. Utopie ist Projektion eines Imaginären ins Unwirkliche einer Zukunft die es nicht geben wird. Das Un-Mögliche ist demgegenüber eine Figur des Wirklichen. Kunst, die sich dem stellt, ist eine weder idealistische noch realistische Parade des Un-Möglichen im Hier und Jetzt. (…) Das heißt aber nicht, das Unmögliche sei als nur scheinbar unmöglich zu erweisen und derart ins Reich des Möglichen aufzunehmen. Das Unmögliche ist und bleibt unmöglich; nur als solches ist es das, was wirklich zählt, zum Beispiel die Machtlosigkeit, die Gerechtigkeit, die Freiheit, die Gabe und all das, was wirklich zählt, in der Kunst und im wirklichen Leben. (…) »Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen« (Friedrich Nietzsche). Und ich möchte hinzufügen: der Schrecken der Wahrheit ist die Wahrheit der Kunst.

 

Kunst sagt keine Zukunft voraus, und sie nimmt auch kein zukünftiges Geschehen vorweg. Schon allein deshalb nicht, weil sie nichts aussagt, sondern etwas anzeigt. (…) »Sie kündigt an, weil sie anfängt.« In dem Maße, wie sie sich nicht auf etwas stützt, das schon da ist, gibt sie dem Anfang eine Stimme, imdem sie »eine anfängliche Entscheidung aufruft.« Derart wahrt sie das Kommen eines Horizonts, den man auch Hoffnung nennen könnte.
Wilfried Dickhoff: Das Zuvorkommende. Eine Kunstkritik. Zürich-Berlin: Diaphanes, 2009, S. 30f. und 48

Siehe auch Kunstorte zu Kirchen – mit Ideenterrorismus sowie Die Wahrheit der Kunst im Zeitalter des Digitalen.

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