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Im Juni, zur Sommersonnenwende. Ist man nun reif dafür ich zu schreiben, wenn man wieder aufs Rad steigt? Kann sich nicht je­derzeit plötzlich ein Graben vor einem auftun, den man hinab­stürzt, in das unendliche Weiß zwischen den Buchsta­ben, das Ver­gessen & die Erschöp­fung, die zum Schluß machen führen?

Wie ich befürchtet hatte, rächte sich

Das ich doch lieber zu vermeiden versuchen... Falls einen aber die Umstände nöti­gen? Dann nur von einem schreiben, der von ei­nem fernen Horizont zu einem s­chaut, der man viel­leicht einmal sein wird, wenn man jene Identität ak­zeptiert hat.
Die Benutzung Muhammadmusas trägt sowieso dazu bei: Die elek­tronische Maschine hat einen merkwürdigen Abstand zwi­schen der Feder (der Hand) & dem Papier (dem Bild­schirm) ge­schaffen; in dieser eingeschobenen Schnitt­stelle exis­tiert eine Sphä­re, in der das Werk auf unheimliche Weise manipu­liert wird. Lö­schen, um­formulieren, um­stellen, vertau­schen, neu forma­tieren – ist der Text erstmal in Nullen & Einsen zerlegt, ma­chen die­se Werkzeuge sich selbständig & beginnen den Prozeß zu er­obern. Schon sind es nicht mehr die eigenen Aus­flüsse, son­dern die ei­nes Doppelgäng­ers, der sei­ne Eigenständig­keit ein­fordert, in­dem er mit dem Fu­tur oder dem Konjunktiv Abstand von mir nimmt: Das werde nicht, könnte nicht ich sein, der das schreibt...
Deshalb drucke ich nichts aus – das gäbe ihm einen Körper.

Wie er befürchtet hatte, rächte sich die am ersten Mai außer Kontrolle geratene Handlungsenergie, diese neue Erfahrung des Nicht-Auf­hören-Könnens, die alle war­nenden Bot­schaften des Körpers betäubt hatte.
Nicht nur, daß ich gerannt war wie seit Jahren nicht; mehr als zu der Zeit, als der Nachbarshund einem hintergejagt hatte, weil sein Herr­chen Opfer von Klingelstreichattacken geworden

Könnte wirklich ich es sein, Arni, dem all dies ge­schieht?
Sibylle. Du hattest den Namen ausgesprochen wie eine, die sich in Gesellschaft hinter einer Larve verbarg – wie man selbst. Dein Blick hatte sich in diesem Moment abgewandt… weil das Wort nicht dich ge­meint hatte. Es war ein Zei­chen, deine Chiffre, hinterlas­sen, da­mit man sich auf deine Fährte setzt. Wird man herausfin­den, wer du wirklich bist?
Muhammadmusa. Sollte man die Magie nutzen, die schon dein Name verspricht, & jetzt, im Augenblick ihrer Fixierung in dei­ne Speicher, die schiefen Gescheh­nisse der letzten zwei Mo­nate ge­raderücken – die Irr­wege des Intellekts & die Weisheit Raouls; die Be­deutung von Parzival & Sibylla; den Angriff des Tri­os, dem man nur Dank deiner Schlag­kraft entkam; den Mut der Zwillinge, die das Geheimnis des Zettels lüfte­ten? Oder einer an­deren Versu­chung nach­geben – die Tatsa­chen leug­nen, ihre mögli­chen Per­mutationen errechnen & nur die wahrscheinlichsten auf­schreiben?

Zurück in der pißwarmen Haupt­stadt, vermißt man die stimulier­ende Kälte der Ka­thedrale. Dennoch: jetzt, da man die ersten Schritte zur Lösung der Rätsel hinter sich hat, muß aus den Ein­tragungen der letzten zwei Monate – Noti­zen, die nicht so leicht trügen können wie das Gedächtnis, das beim letzten Mal alleiniger Helfer war – endlich Erzählung werden.
Verzeih, lieber Arni, daß du so lange aushar­ren mußtest, es ging einfach nicht früher. Zu­sammen mit Mu­hammadmusa & mei­nen Fingern, die mir Feder & Schwert sind, bist du der ein­zige Treue auf meiner Radtour – mein Pansa, mein Watson, mein Sherasmin: man hat wirklich kein Recht, dich so zu behandeln.

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