Appendix

[Die folgenden Seiten versammeln nur eine kleine Auswahl der über­schüssigen Fragmente nach größtmöglicher Kohärenz & Aussage­kraft, erheben also keinen An­spruch auf Vollständigkeit.
So liegen z.B. kurze Dialog-Exzerpte aus zahlreichen Science-Fic­tion-Filmen und -Serien vor, zu denen keine Hinweise existieren, in welchem Verhältnis sie zu Rolands Chronik stehen. Ich nenne deshalb nur kurz die im Werk noch nicht erwähnten Titel, die bisher verifiziert werden konnten. Die Zeitleiste der Filme entspricht Rolands Jugendjahren von Neun bis Zwei&zwanzig. Doch warum so viele B-Produktionen & nicht solche Höhepunkte des Genres wie Star Wars, Alien, Blade Runner?

– Die Abenteuer der Maus auf dem Mars (Fernsehserie), 1976.
– Unheimliche Begegnung der dritten Art, 1977.
– Captain Future (Fernsehserie), 1978-79.
– Das schwarze Loch, 1979.
– Flash Gordon, 1980.
– Doktor Snuggels (Fernsehserie), 1981.
– Tron, 1982.
– Enemy Mine – Geliebter Feind, 1984.
– Die dreibeinigen Herrscher (Fernsehserie), 1984-85.
– Die Fliege, 1986.
– Die Reise ins Ich, 1987.
– Die totale Erinnerung – Total Recall, 1990.

Die Liste wird mit zukünftige Auflagen nach bestem Wissen erweitert.
Anderes wird wohl für immer verschollen bleiben: so z.B. die Kopie ei­nes Schulverweises aufgrund »angeblich ›sata­nischer Rituale‹ im Che­mielabor während der großen Pause«, die Ro­land einzufügen gedachte, deren Datei aber unrettbar Opfer der Attacke auf die Festplatte Mu­hammadmusas I. geworden war...
]

I. Alternativer Beginn

Man hat mir gelegentlich vorgehalten, ich könne nicht lu­stig sein. Oder vielmehr, ich könnte viel­leicht, wenn ich wollte, aber ich wol­le ja nicht, was um einiges verwerf­licher sei, als es bloß nicht zu kön­nen. Für meinen Ge­schmack al­lerdings pflegte in der Diskussi­on, die sich nachher in der Regel an­schloss, der bedeut­same Un­terschied zwischen Wil­lens- & Handlungsfreiheit, den herauszu­stellen unsere Philosophen viel Gedankenerhit­zung auf­brachten & wo­rüber auch die deutsche Geschichte lehr­reiche Lektionen erteil­te, nur allzu leicht aus den Au­gen zu ge­raten, weshalb ich mich in neun von zehn Fäl­len ge­nötigt sah, auf den Kern der Kri­tik zu­rückzukommen: Ich bin nicht lustig.
Ich fürchte, der Fall liegt diesmal nicht anders. Da ich die Neu­gier auf einen möglichen Wandel für eine Form erotischer Erfah­rung halte (verstanden als die Anziehungskraft einer angedeute­ten Blö­ße, eines uneingelösten Ver­sprechens), werde ich er­neut Ernst ma­chen.

II. Verworfene Titel

DAS BEDÜRFNIS NACH GROUPIES

SCHIMÄREN EINES SCHUSSELS

ROLANDS LIED

DAS UNZULÄNGLICHE, HIER WIRDS EREIGNIS

BLOCKBUSTER
(Mit ganz tollen Schauspielern)

SCHMIRALIEN EINES SCHLEHMILS

DIE DUNKELHEIT DER KATHEDRALEN

ORLANDO CURIOSO

ALS ICH IN DER STEIERMARK AUF EINER WIESE LAG & EINER FAMILIE BEIM ESSKASTANIEN SAMMELN ZUSAH

SCHMONZETTEN EINES SCHMOCKS

FABULA RASA ODER DIE REISE NACH ZWISCHEN

DER NAME DER LEERE

III. Weitere Fragmente der Farce „Kopfge­burtstag“

SZENARIO

Prolog in der Intendanz

Sieben Spiele auf der Bühne

Vorspiel
I. Spiel: Warten auf den Intendanten (I)
Zwischenspiel
II. Spiel: Trauern um den Intendanten (I)
Zwischenspiel
III. Spiel: Die Geschichte der Menschheit (I)
Zwischenspiel
IV. Spiel: ...Ende der Geschichte!
Zwischenspiel
V. Spiel: Die Geschichte der Menschheit (II)
Zwischenspiel
VI. Spiel: Warten auf den Intendanten (II)
Zwischenspiel
VII. Spiel: Trauern um den Intendanten (II)
Nachspiel

Epilog im Zuschauerraum

***

PROLOG IN DER INTENDANZ

Vor der offenen Bühne eine Leinwand, auf der die Szene als Film projiziert wird. Frivoles Kichern. Dunkelheit. Im Verlauf der Szene erkennt man ei­nen Raum mit Bücherregalen, Sofa, Schreibtisch, einem Fenster mit Vor­hang. Intendant mit Gabriela & Michaela auf dem Sofa. Raphaela auf dem Schreibtisch. Intendant im Pyja­ma. Sekretärinnen in Nachthemden.

DER INTENDANT
Licht!

Raphaela zieht den Vorhang zurück. Der Mor­gen däm­mert.

DER INTENDANT
Musik!

Gabriela legt eine Platte auf. Man hört den "Walkürenritt". In­zwischen stopft Michela eine Pfeife.

DER INTENDANT
Das doch nicht!

Gabriela wechselt die Platte. Man hört die "Morgenstimmung".

DER INTENDANT Summt mit.
Ah ja! Karajan.

Die drei Mädchen blicken nach rechts & links, oben & unten. Gabriela berührt den Leinwandrand.

MICHAELA Komisch.

GABRIELA Ist ziemlich eng hier.

RAPHAELA Irgendwie flach.

DER INTENDANT Das ist nur am Anfang. Film – niedrigste Reali­tätsstufe. Summt mit. Gleich geht es richtig los. Aber vorher...

MICHAELA Die Pfeife. Wie immer.

Sie reicht ihm die Pfeife. Er steckt sie sich an, nimmt einen Zug & erleidet sofort einen Hustenanfall.

***

SIEBEN SPIELE AUF DER BÜHNE

Vorspiel

Halbdunkel. Der Maskierte schleift einen Sarg auf die leere Bühne & breitet ein rotes Tuch darüber.

DER MASKIERTE
Das wird der Motor der Phantasie.
Wer fällt als erster in Agonie?

Aus dem Orchestergraben klettern Gestalten auf die Bühne, eini­ge erscheinen in den Logen, andere im Zuschauerraum, unter ih­nen berühmte Schauspieler & Dichter. Sie beginnen zu klagen. Der Maskierte beobachtet erst amüsiert, dann erbost die Szene.

GEFANGENENCHOR
Wehe, wehe!
Dreimal Wehe!

EIN GEFANGENER
Sie sind nicht bereit
Für die kommende Zeit.

EIN ZWEITER GEFANGENER
Sie werden ihm alle
In die tödliche Falle
Der Geilheit
Geraten wie wir.

EIN DRITTER GEFANGENER
Was wir nicht kannten
War Liebe
Denn unsere Maxime
War Gier.

GEFANGENENCHOR
Wir waren nicht bereit
Für die kommende Zeit.

EIN VIERTER GEFANGENER
Die Strafe hierfür
Ist Vergessen.
Ihr könnt nicht ermessen
Das Leid.

GEFANGENENCHOR
Denn ihr seid nicht bereit
Für die kommende Zeit.
EIN FÜNFTER GEFANGENER
Trauer, Trauer!
Dreimal Trauer!

DER MASKIERTE
Hinfort mit euch, ihr blöden Geister!
Vor euch steht der Herr & Meister!
Vergeßt es nicht, bei meiner Rache:
Revolution ist keine Geistersache!

Die Gestalten ziehen sich zurück. Maskierter ab.

IV. Nicht verwendete Zitate

– für das LEXIKON DES UNNÜTZEN ZITATS

„Ich weiß nicht, was ich dir über mich unaussprechlichen
Men­schen sagen soll“
(Kleist an seine Schwester Ulrike, 13./14. März 1803)

***

Wer weiß, wieviele Wörter Gott durchprobiert hat, bevor er das eine fand, durch das die Welt erschaffen wurde.
(Stanislaw Jerzy Lec)

***

Wir wissen nur eines über die Zukunft –
sie wird nicht wie die Gegenwart aussehen.
(Jorge Luis Borges)

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Ich bin meine Welt.
(Ludwig Wittgenstein)

***

Death is just a big show in itself.
(Samuel Lionel Rothafel)

– für das LEXIKON DES NÜTZLICHEN ZITATS

Da schien mir die Mondin ein pralleres Rot, & ich drehte mich um, & sah einmal mehr auf den Fels, & die Zeichen der Schrift; – – & die Zeichen wahren Verlassenheit.
(Edgar Allan Poe: Siope)

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Wer sein Doppel durch das Glas hindurch leidenschaftlich umarmt; das Glas belebt sich in einem Punkt & wird Sexus; & Mensch & Bild lieben sich durch die Mauer hindurch.
(Alfred Jarry: Les Jours et les Nuits)

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Either the machine has a meaning to life that we have not yet been able to interpret in a rational manner or it is itself a manifestation of life and therefore mysterious.
(Garet Garret: Ouroboros or the Mechanical Extension of Man­kind, 1926)

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Jede präzise Definition der Welt muß ein Parodox sein.
(Stanislaw Jerzy Lec)

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No one here get’s out alive
(Jim Morrison)

– ohne lexikalische oder kategorische Zuschreibung

Der Literatur wird häufig vorgeworfen, sie mache den Ge­fangenen die Flucht aus der Wirklichkeit leicht.
(Stanislaw Jerzy Lec)

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Das vollkommene Weib jeder Zeit ist der Müssiggang des Schöpfers an jedem siebenten Tage der Kultur, das Ausruhen des Künstlers in seinem Werke.
(Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches)

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Aufruf an die Verleger:
Man bewahre uns vor den Sprüchen,
die Büchern voranste­hen,
um sie überflüssig zu machen.
(Roland Iobst)