Trier, Physiker, Zahlen und welches Theater eigentlich?

Eine schöne Nikolaus-Bescherung: Das Theater Trier scheint vorerst aus der Sparkurs-Schusslinie zu sein. Deutlich gestiegene Zuschauerzahlen der letzten Spielzeit haben das ermöglicht. Natürlich freut mich dabei besonders, das meine PHYSIKER einen gewissen Anteil daran gehabt zu haben scheinen:

Wobei freilich die durchaus unkonventionell inszenierten “Physiker” der eindeutige Favorit waren.

Ob man das schon als Beweis ansehen darf, dass “unkonventionelle” Inszenierungen an den sogenannten “Bühnen abseits der Zentren” (wie eine Kritikerkategorie der Deutschen Bühne lautet), zwischen

einem Publikumsgeschmack, der eindeutig mehr in Richtung Unterhaltung weist

trotzdem eine gute Auslastung (in dem Fall 88 Prozent) erreichen können, würde ich aber eher mit vorsichtigen Fragezeichen versehen wollen. Der gleiche “Unkonventionalität” hätte bei einem weniger bürgerlich-zugkräftigen Stück wahrscheinlich nicht so verfangen. Trotzdem schön, dass es zumindest so aussieht, als ob es ab und an  halbwegs gelänge

Das Publikum zum Risiko [zu] verführen

Denn den Trierern steht noch die Strukturanalyse ausgerechnet des Unternehmensberaters und “Kulturinfarkt”-Autors Dieter Haselbach Mitte des Jahres ins Haus. Da braucht es jedes gute Argument jenseits nackter Zahlen (die ja sowieso, siehe oben, nicht viel aussagen). Es sei denn, man zöge die neoliberal auch irgendwie folgerichtige Konsequenz, und verordnete dem Theater Trier: dann doch gleich nur noch “Unterhaltung” zu machen. Ob eine solche Risikofreiheit dann aber noch öffentlicher Subvention bedarf? In dem Fall dann die Steuergelder bitte dahin leiten, wo wirklich am Risiko gearbeitet wird: In die freie Szene!
Aber noch liegt das Gutachten ja nicht vor. Das Ganze verspricht aber schon jetzt spannend zu werden – schließlich knüpft sich daran die grundätzliche Frage, welches Theater (und für wen) wir in der heutigen Wechselwettergesellschaft eigentlich wollen.

WECHSELWETTERWOLKEN beim Festival “Kurz.Schluss Vol. II”

Eine szenische Lesung mit Wetterbericht

Nach Lesungen aus der gleichnamigen Romantrilogie u.a. bei zeitraumexit Mannheim, auf der Luminale und der Leipziger Buchmesse zündet Lars im Rahmen des Kurzstückefestivals “Kurz.Schluss Vol. II” die nächste Raketenstufe zur Überwindung der Gravitation: Steffen wird den lesenden Lars inszenieren. Heraus kommt sowas wie: eine Weathercast Reading Performance? Jedenfalls geht es um das heraufziehende Wechselklima und die digitalen clouds, die uns vielleicht einen kommenden Sturm vorhersagen: Eindrücke aus den Diskussionen über Natur und Technik in einem Schweizer Alpen-Hotel des Netscape-Jahres 1996, dem Dickicht (un)möglicher Verschwörungen des Jahrs 2001 und aus den düsteren Kiezen einer zukünftigen Megacity. Heftige Stimmungswechsel zwischen Satire, Soundtrack und Suspense ergeben eine gewittrige Atmosphäre.

21. und 23. September, 20.00 Uhr, Landungsbrücken Frankfurt

DIE PHYSIKER

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ICH FINDE ES GUT, DASS IM THEATER ALLE UMSONST ARBEITEN. DA IST MAN DOCH GERNE DABEI.

Drei Performerinnen treten als hyperkulturelle Zitatensammlung und Identitätshervor-bringerinnen in die Arena. Yeah! Sie sind Medea, Iphigenie, Maria Stuart, Elisabeth, Nora, Käthchen, Orlando, diverse Nebenfiguren – meist weibliche yeah! – entindividualisierte, fragmentarisierte Figuren des Postdramatischen, sie spielen yeah! sich selbst genauso … Weiterlesen

KASPAR HÄUSER MEER

Ein Sozialamt irgendwo in Deutschland. Barbara, Silvia und Anika entscheiden im Stundentakt über die Schicksale von Kindern, Eltern und Familien. Ihre ‘Klienten’ haben sich am Rand unserer Städte und im Dickicht unseres Sozialstaates verheddert und den Anschluss verloren. Nun aber … Weiterlesen

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