
Dies ist nicht mein Werk noch Tun.
[Ich habe lange überlegt, wie ich mich in dieser Angelegenheit verhalten soll: wie ich erkläre, was es mit der Entstehungsgeschichte dieses Textes auf sich hat. Es ist sonst nicht meine Art – Präambeln sind mir ein Gräuel. Die Umstände haben es nun jedoch nötig gemacht…
Also, ohne weiteres Drumherumreden: Ich bin nicht der Urheber der kommenden Zeilen. Ich habe ihnen nur meinen Namen geliehen.
Roland Iobst, der eigentlich Verwantwortliche, muß – jetzt, da sieben Jahre vergangen sind, seit ich seine letzte Hinterlassenschaft auf der Gästetoilette eines bekannten Bayreuther Museums aufspürte, kann man es mit Sicherheit sagen – als verschollen gelten.
Umso wichtiger, daß sie publiziert wird: die Chronik seiner letzten Tage. Anders als hier und in meiner Maske aber hätte sie wohl kaum mehr Leser erreicht als mich, an den zuallererst sie gerichtet war.
Die Betreiber dieser Homepage gehen ein nicht geringes Risiko ein, im Dienste der Sache diesen Etikettenschwindel mitzutragen, das kleine Komplott gegen diejenigen, die Roland hinterher sein könnten. Ein Weiterlesen unter der Prämisse, sein Geheimnis unter dem Siegel der Verschwiegenheit zu bewahren, bedeutet also, daß wir alle Komplizen in dieser Sache wären...
Roland hatte Anfang Mai Zweitausendeins damit begonnen, in seinem Notebook die ersten Monate des Jahres zu rekapitulieren – zur Kompensation eines Ereignisses, das sein bisheriges Leben gehörig aus dem Tritt gebracht hatte. Als dieses Leben jedoch bemerkte, daß es niedergeschrieben & in elektronische Speicher gebannt werden sollte, unternahm es allerhand zusätzliche Anstrengungen, Roland ins Straucheln zu bringen (als wolle es seiner Nachstellung entkommen) – & trieb Roland ganz in die Arme seiner dunklen Obsessionen.
Bald benötigte er Geld & besprach sich mit mir. Zwar habe er den Text zunächst nur zu therapeutischen Zwecken angefertigt, aber ob sich da nicht doch auf eine Veröffentlichung hoffen ließe...
Ich versprach ihm, das Material auf seiner Diskette kritisch (wie er mich kenne) auf seine Eignung zu prüfen & er fügte hinzu, ich möge dabei bedenken, dies sei erst der Anfang: das ganze Ausmaß der Verschwörung, in das er mit seiner Geschichte geraten sei, könne man erst vom Ende her beurteilen, in ihrer Gesamtheit, wovon er zum jetzigen Zeitpunkt zwar Vorstellungen, aber noch keine Gewißheit besäße...
So verabschiedeten wir uns in unserem letzten Beisammensein.
Wenige Monaten später ging mir eine CD-ROM mit einem knappen Kommentar auf fettigem Brotpapier zu: Roland werde sich nicht wieder melden, bevor nicht die Sache zu einem Ende gekommen wäre.
Es war dann schon am Ende des Jahres, als ich nach dem langen Ausbleiben weiterer Nachrichten den Rest der Geschichte zu stellen versuchte – & seinen Computer versteckt hinter dem Spülkasten jener Toilette aufspürte, Roland noch immer verschwunden.
Seine letzten Zeilen verraten den Anlaß & Grund...
Um den dokumentarischen Charakter zu wahren, habe ich an dem Material lediglich kleinere Korrekturen der Rechtschreibung vorgenommen. Außerdem schlage ich die Dreiteilung des Textes, wie sie sich auch durch meine Verstrickung in die Sache ergeben hat, als Gliederung vor. Diesem Bau folgen ja einige Geschichten – wohl weil ihm etwas zugrunde liegt, das auch für Roland große Bedeutung erlangt hatte. Einige Namen & zwei oder drei Abschnitte mußte ich aus Rücksicht auf die Betroffenen fälschen: meine Hinweise dazu stehen wie hier in eckigen Klammern (Fußnoten finde ich lästig).
Der Appendix versammelt wenige ergänzende Fragmente, die ebenfalls auf dem Computer gespeichert waren, dem Werk aber nicht zugehören. Vielleicht erhellen sie dennoch ein paar dunklere Orte.
Ergebenst, ihr
Tobias Arnold Mai 2008]