popp-ART

popp heißt das pop-paradox leben
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jan-apr.doc (15)

Stimmen springen umher, man fühlt ihm den Puls. Er wird auf die Sei­te gerollt, sein Kopf auf eine Jacke ge­bettet. Die Augen of­fen, die ganze Zeit schon. Aber erst langsam schäl­en sich aus der Verschwommenheit: Stra­ße, Autos & Füße aus der Froschperspektive. Der Peu­geot, mit dem er eine so uner­freuliche Begegnung ge­habt hat­te, scheint keine Beu­len zu haben. Nur ein langer Strie­men Schuhsolenabrieb ziert den Kotflügel. Die Men­schen, die zu der Schar Füße ge­hören, reden auf den Halter des Fahrzeugs ein. Ein Mobiltelefon fällt & wird aufgeho­ben. Je­mand ruft, man solle Polizei & Kran­kenwagen rufen, so­viel reimt er sich zu­sammen. Kann er auf­stehen? Käme auf den Versuch an. Es tut weh. Langsam. Man legt ihm nahe, liegen zu bleiben. Er wehrt ab, also hilft man ihm auf. Stehend überspült ihn eine Elefanten-Migrä­ne – bei­nahe wäre er wieder auf dem Boden ge­landet. Man stüt­zt ihn. Dann hatte er sich un­ter Kon­trolle. Dem Mann mit dem Mobiltele­fon, der gerade im Begriff ist, es zu be­nutzen, gibt er Handzeichen, es besser zu lassen.
–Mea culpa mea culpa, brabbelt Roland, schüttelt dem Fah­rer die Hand & überreicht ihm eine Visitenkarte von Past&PR – Ar­chivmanagement, Geschichts-Marketing, Eventrecherche.
Alle registrieren verblüfft, wie er seinen Körper nach Kratzern & Wunden abta­stet, bei der Berüh­rung von rechter Hüfte & linker Schul­ter Luft durch die Zähne zieht, beide Stellen immer energi­scher ab­klopft, das maxima­le Ausmaß der Schmerzen erforschend, et­was von einer leich­ten Prellung mur­melt (auf Deutsch) &, sich Hinterk­opf & Schläfen mit bei­den Händen massierend, langsam von dannen zieht.

Im Hotel lies er sich einfach ins Bett fallen – & ver­ließ es erst zum Abendlicht wieder. Er hatte den Tag in ei­nem schau­kelnden Dämmer verbracht, das Schreien der Glieder im Fich­telölbad niedergehalten. So konnte er wenigstens seine Ge­danken sortieren.
Das Auto hatte ihn an der Hüfte gerammt & mit Kopf & Schulter war er dann, nach einer Rutschpartie über die Front­scheibe, auf dem Pflaster aufgeschla­gen. Außer ein paar blauen Flecken, den zwei Prel­lungen & einer großen Beule am Hinter­kopf, war er heil & bei Sinnen.

Er hatte nicht wirklich schlafen können. Aber er hatte dennoch ge­träumt. & in dem Traum hatte er eine Entschei­dung ge­fällt. Er kannte ihren Nachnamen nicht, aber heute Nacht würde er sich in die Kathe­drale einsperren & seinen Silvester-­Vorsatz umzusetzen beginnen.
Dann würde er sie suchen. So viele Rätsel zu lösen...
Ihm fiel der Zettel ein. In der Kathedrale konnte sie ihm un­möglich etwas zugesteckt haben, das hätte er bemerkt. Sie mußte ihm also schon vorher irgendwo aufgelau­ert haben. Über den Wannenrand hinweg fin­gerte er nach der Hose – & fischte tatsächlich ein kleines Pa­pier aus der linken Ge­säßtasche heraus.
Darauf stand, in Schreibmaschinen­schrift:

»Deficit! Hist. CCM. Fas. Mag. Kar. 13 X 23 Ann. Lib. 7.6255975 Deficit!«

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