popp-ART

popp heißt das pop-paradox leben
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jul-aug.doc (12)

Man kam zurück von ei­nem Einkauf zur Brücke – da hatten die Alten die Aufmerk­samkeit eines pau­sierenden Nadelstreifenanzuges gewon­nen. Er stand auf von der Bank & ging zu ihnen hinüber, den Er­güssen zu lauschen. Zu­rück blieb seine Tasche.
Man zö­gerte nicht, griff aus dem Gebüsch heraus nach der Beute & schlich sich davon.

Später teilte man das Gut unter den Freunden. Sie be­kamen Schreib­block, Brote & Geld, man selber das elektronische Notizb­uch. Die Chance nutzen – wenigs­tens noch das Erlebte bis hierher verschriftli­chen & dann endgültig Schluß machen mit dem Projekt...
–Ob man dafür Verwendung habe, reichte einem Alkunin eine kleine Festplatte, –Die hätten sie von ihren Eltern erhalten, um sie in der Villa nach Hinweisen zur Schrift­rolle zu durchsu­chen. Sie hätten sie verbren­nen wollen, dann aber ent­schieden, sie als Pfand zu behalten, sollten sie aufgespürt werden. Jetzt sei die Zeit, dieses Kapitel zu been­den & sie zu vernichten oder zu lö­schen & weiter zu nutzen. Sie ent­hielte die Aufzeichnungen ei­nes gewissen Ro­land aus Bay­reuth...

Es war kein Entkommen, man war wieder im Spiel, die Ge­schichte ließ einen nicht los. Bevor man Abschied nahm, wollte man jedoch endlich die Kopfnuß der Akademie knacken.
Wer waren sie wirklich?

Die Lö­sung brachte ein Besuch beim Barbier. & was kam da zum Vor­schein! Als man ihnen unter viel Jaulen & Sträuben die Haare stutzen & Bärte abnehmen lies, waren ganz gut zu erkennen – die frappierende Ähnlichkeit von historischen Aufnahmen bestätigt (alten Zeitschriften entnommen, die er einigen Bibliotheken entwendet hatte): die Gesich­ter von Döblin & Brecht, Lubitsch & Lang, Schönberg & Weill.
Jene Kriegs-Exilanten also, die sich auf Lion Feuchtwangers Resi­denz im spanischen Stil, der Villa Aurora in der Berliner Partnerstadt Los Ange­les getroffen hatten. Auch sie jetzt kopiert. Unwissentlich wa­ren sie Diener des FAF, Instru­mente Frankonias, das nichts weiter war, als eines der vielen Ge­sichter von Nifl & Muspel... Das also war es, was die Zwillinge verschwiegen hat­ten, der wahre Grund ihrer Flucht.
Die Villa in Paci­fic Pa­lisades existiert noch – kein Pro­blem also dort DNA-Reste zu finden. Von neunzehnhundertvierzig bis -sieben&vierzig wa­ren auf den Hügeln zwischen Santa Monica & Beverly Hills vermut­lich mehr deutsche & österrei­chische Schriftsteller, Komponis­ten, Phi­losophen, Regisseure & andere Künstler von Rang zusammengekom­men, als irgendwo sonst auf der Welt: Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Hanns Eisler, Victor Klemperer, Fritz Lang, Ernst Lubitsch, Heinrich & Thomas Mann, Ludwig Mar­cuse, Arnold Schönberg, Kurt Weill. Die Lis­te derjenigen, die in der Nähe Hollywoods nach einem Broterwerb suchten, ließe sich mühe­los verlängern.
»Gemessen an dem Zustand der übrigen Welt lebt man hier wahr­scheinlich besonders friedlich & wohl auch üppig.« Die Einschätzung Feuchtwangers teilte seine Frau Marta vermutlich – sie be­wohnte die Villa bis zu ih­rem Tod Neunzehnhundertsieben&achtzig. Da die Süd­kalifornische Univer­sität, von Feucht­wanger selbst noch als Erbe des Anwesens & der drei­ßigtausend-Bände-Privatbibliothek ein­gesetzt, sich außer­stande sah, den Un­terhalt des vom Hang-Ab­rutsch be­drohten Hauses zu si­chern, übernahm eine Berliner Pri­vatinitiative mit Geldern des Se­nats die Instandsetzung & Einrich­tung als interna­tionale künstle­rische Begegnungsstätte: sicher weitere Agen­ten des Feindes...

Tränennaß klammerten die Akademiker sich an die Photographie-Re­produktionen ihrer Väter & Brüder, den einzigen Belegen ihrer Her­kunft. Was die zweite Villa wäre & wo sie sich befände, konnten sie mir nicht ausführen. Ihr Gedächt­nis hatte nie richtig zu funktionieren ge­lernt: das Menschen-Kopieren war wohl noch fehlerbehaftet.
Mit der Suche nach der Rolle der Runen übrigens waren sie nicht wei­ter als ich. Sie hatten sich verweigert, ihre Herren auf falsche Fähr­ten ge­setzt. Eines konnten sie jedoch aufklären: In der Tat hätte die Rolle vermutlich jahre­lang in den Archiven des Freimau­rer-Museums gele­gen, di­rekt unter der Nase der Sucher. Erst mit dem Verlust ihres Bestan­des im Ge­folge des Krieges sei man dank den Resten einer wie­deraufgetauchten histo­rischen Inventarliste auf die (nun aber feh­lende) Rolle ge­stoßen. Der sichere Beweis müsse allerdings erst noch erbracht wer­den.
Ein weiteres Puzzleteil eingesetzt, die Schriftrolle aber noch immer verschwunden... & wie sollte meine Literaten-Stafette neben der Iden­tität jenes Textes auch seinen heutigen Aufenthaltsort preisge­ben?

Theowulf-Bertold hatte den Glücks-Schock über seine Identität nicht über­lebt. Aus Mangel an Möglichkeiten arrangierten wir im Hyde-Park seine willfährigen Glieder. Sicher würde ihn bald je­mand finden & sich kümmern. Die anderen überlegten der­weil, was sie mit ih­rem kurzen Rest-Leben anfangen könn­ten.

Da konnte man Abhilfe schaffen: Man zog mit den Einsichti­gen durch den Bücherhandel & die Musikläden an der Charing Cross Road & führte sie in ihr eigenes Werk ein.
Zum Dank deutete Alkunin-Arnold­ in ei­nem deutschen Antiquariat auf zwei kleine Bändchen: Christoph Martin Wieland: Oberon & Jacob Böhme: Aurora, das ist: Morgenröte im Aufgang.
–Die sollte man vielleicht als nächs­tes befra­gen...

Abschied. Sie hatten für den Billig-Flug zu­sammengelegt & ei­nem das Ticket besorgt – die Rührung war groß.
Alle. –Vorsicht, Vorsicht! Dreimal Vorsicht! Nun sei es so­weit, es käme nun die Zeit!
Man ließ sich für die Konfrontation mit der Gefahr im Ge­genzug noch viele große Werke von ihnen ver­sprechen.

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