Popeye glänzt

Reaktion auf die #Koons-Ausstellung @Schirn/Liebieghaus: Blogs müssen selber Kunst werden!

Logisch, dass ich mir die Frankfurter Ausstellung des Pop-Art-Hohepriesters Jeff Koons nicht entgehen lassen konnte. Zumal in der Verbindung mit dem von der Schirn angekündigten Bloggertreffen und Tweetup. Danke Schirn und Liebieghaus, für diese Initiative! Dennoch: sowohl als Verfechter des “Weniger ist mehr” als auch der Koons’schen Logik folgend, werde ich hier keinen Versuch unternehmen, mit einem irgendwie originellen Beitrag dazu zu glänzen. Sondern vielmehr die Blogger-”Werkstatt” sprechen lassen: das kontroverse Gesamtbild besteht nämlich aus vielen kleinen Pünktchen: Schneeschmelze z.B. fasst das Ganze eigentlich bereits treffend zusammen und verlinkt auch gleich auf die genauso bedenkenswerte Gegenposition der Gleisbauarbeiten. Herrlarbig indes hat sich die Mühe gemacht, ein Twitterprotokoll zu verfassen, das ein gutes Bild der Ereignisse in der Schirn gibt – und sogar der Führung im Liebighaus, denn der Kollege hatte trotz des ironischerweise parallel stattfinden Twitterausfalls, seine “potentiellen” Tweets zwischengespeichert; das Ganze ist nun zu finden unter dem vielsagenden Titel: #Bloggertreffen und #Tweetup @Schirn @Liebieghaus in #Frankfurt – „Jeff #Koons. The Painter & The Sculptor“. Dort wird übrigens auch auf eine interessante Tweet-Statistik verlinkt (sinnfälliges Beispiel zugleich für das diskutierte Thema der Algorithmisierung von Kunst), eine andere Statistik halten die Kulturkonsorten bereit. Heiligenschein wiederum hat Lesenswertes über eben jenen Teufelskreis von Kulturbetrieb und Digitalisierung zu berichten. Weitere evtl. noch kommende Beiträge der Teilnehmer werde ich hier, so ich es mitkriege, laufend ergänzen.
UPDATE 1 am 28.07. / 09:11 – Mittlerweile haben auch Jannis Plastargias und Tanja Neumann ihre Wahrnehmung anhand ausgewählter Tweets online gestellt.
UPDATE 2 am 28.07. /09:56 – Jede Menge tolle Bildimpressionen der Ausstellung gibt’s zu sehen bei Green Pink Orange.
UPDATE 3 am 30.07. /14:40 – Sozusagen die Zusammenfassung aller Zusammenfassung kann man seit heute lesen bei iliou melathron. Außerdem gibt es Artikel von Rent my brain, Museum Diary und den Kulturkonsorten. Und ich bin prominent auf diesem Bild in #KultUp’s Flickeralbum (sowie in Tanja Neumanns zugehörigem KultUp-Blogpost) zu sehen! – da ich die Kamera nicht bemerkte, ein der seltenen unverfälschten Aufnahmen von mir ;-)

Folgerichtige Reaktion auf den Kunstbetrieb jedenfalls der auf dem Treffen aufgekommene Gedanke, Blogs müssten eigentlich selber zur Kunst werden. Hier schließen sich viele Fragen an, wie soetwas auszusehen hätte. Ich gehe jedenfalls mal mit dem Gestus eines Duchamp’schen Readymades voran und stelle statt einer eigenen präzis ausartikulierten Meinung diese gewollt niederpixelige Fotografie von – natürlich! – Pop(p)eye aus der Ausstellung als meine Aussage zu dem Ganzen hier ein. Nicht ohne hiermit und hiermit und hiermit noch dem Muss des Selbstzitats und der Serie Genüge zu tun. Der Rest liegt im Auge des Betrachters.

Kunstorte zu Kirchen – mit Ideenterrorismus

Eine Sommerlochkreativuntopie

Warum der UNkreativwirtschaft mit ihrer unverhältnismäßigen Niedriglohnausbeutung nicht von unerwarteter Seite begegnen? Wenn wir das Netztheater wollen, müssen wir dann nicht auch jenes wollen, was ich kürzlich in des Postdramatikers Utopie hineinkommentierte?

In der Tat schafft sich die Kunst ja wirklich selber ab, von zwei Seiten ämlich: Einmal, weil sie beinahe nur noch Ware ist (man lese dazu die feine Kunstkritik Wilfried Dickhoffs: “Das Zuvorkommende”). Und dann, weil sich Beuys’ Traum vom Jederkünstler durch die digitalen Tools immer mehr erfüllt. Was dann naheliegenderweise für deine Utopie auch bedeutet, dass man die Kunst nur durch ein Hintertürchen wieder Kunst sein lassen kann: Durch ein bedingungsloses Kunsteinkommen. Damit wird sowohl eine regelmäßige Kunstversorgung vom Staat garantiert. Als auch Kunst endlich das Geld als Tauschmittel ablösen. Womit dann Kunst wieder Kunst sein können und ihre Freiheit haben wird. Wie heute das Geld. Auch die Aura und das Sakrale wird der Kunst so rückerstattet: Denn die Orte der Kunst: Theater, Museen, Bibliotheken – zuvorderst natürlich aber das Internet – werden das sein, was heute die Banken sind: Unsere Kirchen. Geil, oder?

Wäre doch eigentlich nur folgerichtig … Aber wie setzen wir das durch, wie gelangen wir schnellstmöglich dorthin? Vielleicht mit dem von Alban Nikolai Herbst vorgeschlagenen Terrorismus der Ideen? Hier auch nochmal mein Kommentar dazu:

“Terrorismus der Ideen” finde ich eine interessante Formel und Überschrift für ein ästhetisches Programm gegen Konsumterror et al. Ideen füttern dieses System zwar auch, ja sind von ihm geradezu gesucht – man darf sich also nicht zum unbeabsichtigten Pionier machen, der den falschen Leute neues Land erschließt, das sich dann wieder in die herrschenden Ausbeutungsverhältnisse eingliedern lässt. Der Terrorismus der Ideen müsste also schneller sein: seine Orte wieder verlassen, bevor sie geortet und gekapert werden können; er müsste aber auch mit Langsamkeit zermürben, mit Massenhaftigkeit (quasi Denial-Of-Service-Attacken der Ideen) operieren, als auch mit Überkomplexität. Also alles in allem: der Maschine so viel zu tun geben, dass sie implodiert, zumindest so beschäftigt ist, das Zonen “außerhalb” entstehen. Ich nehme an, Sie haben nichts dagegen, wenn ich mir Ihre Formulierung bei Gelegenheit einmal ausleihe?

Jedenfalls: Die Zeit ist reif. Dieser Artikel ist der Startschuss! Wer das nicht teilt / dem jetzt nicht folgt – ist vermutlich noch im Urlaub.

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