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Kunstorte zu Kirchen – mit Ideenterrorismus

Warum der UNkreativwirtschaft mit ihrer unverhältnismäßigen Niedriglohnausbeutung nicht von unerwarteter Seite begegnen? Wenn wir das Netztheater wollen, müssen wir dann nicht auch jenes wollen, was ich kürzlich in des Postdramatikers Utopie hineinkommentierte?

In der Tat schafft sich die Kunst ja wirklich selber ab, von zwei Seiten ämlich: Einmal, weil sie beinahe nur noch Ware ist (man lese dazu die feine Kunstkritik Wilfried Dickhoffs: “Das Zuvorkommende”). Und dann, weil sich Beuys’ Traum vom Jederkünstler durch die digitalen Tools immer mehr erfüllt. Was dann naheliegenderweise für deine Utopie auch bedeutet, dass man die Kunst nur durch ein Hintertürchen wieder Kunst sein lassen kann: Durch ein bedingungsloses Kunsteinkommen. Damit wird sowohl eine regelmäßige Kunstversorgung vom Staat garantiert. Als auch Kunst endlich das Geld als Tauschmittel ablösen. Womit dann Kunst wieder Kunst sein können und ihre Freiheit haben wird. Wie heute das Geld. Auch die Aura und das Sakrale wird der Kunst so rückerstattet: Denn die Orte der Kunst: Theater, Museen, Bibliotheken – zuvorderst natürlich aber das Internet – werden das sein, was heute die Banken sind: Unsere Kirchen. Geil, oder?

Wäre doch eigentlich nur folgerichtig … Aber wie setzen wir das durch, wie gelangen wir schnellstmöglich dorthin? Vielleicht mit dem von Alban Nikolai Herbst vorgeschlagenen Terrorismus der Ideen? Hier auch nochmal mein Kommentar dazu:

„Terrorismus der Ideen“ finde ich eine interessante Formel und Überschrift für ein ästhetisches Programm gegen Konsumterror et al. Ideen füttern dieses System zwar auch, ja sind von ihm geradezu gesucht – man darf sich also nicht zum unbeabsichtigten Pionier machen, der den falschen Leute neues Land erschließt, das sich dann wieder in die herrschenden Ausbeutungsverhältnisse eingliedern lässt. Der Terrorismus der Ideen müsste also schneller sein: seine Orte wieder verlassen, bevor sie geortet und gekapert werden können; er müsste aber auch mit Langsamkeit zermürben, mit Massenhaftigkeit (quasi Denial-Of-Service-Attacken der Ideen) operieren, als auch mit Überkomplexität. Also alles in allem: der Maschine so viel zu tun geben, dass sie implodiert, zumindest so beschäftigt ist, das Zonen „außerhalb“ entstehen. Ich nehme an, Sie haben nichts dagegen, wenn ich mir Ihre Formulierung bei Gelegenheit einmal ausleihe?

Jedenfalls: Die Zeit ist reif. Dieser Artikel ist der Startschuss! Wer das nicht teilt / dem jetzt nicht folgt – ist vermutlich noch im Urlaub.

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UNkreativwirtschaft

Wer es noch nicht mitbekommen hat: Den heutigen Tag hat der Deutsche Kulturrat zum Aktionstag „Wert der Kreativität“ erklärt. Deshalb ist es vielleicht noch eimal wert, daraufhin zu weisen, dass nicht so sehr die sogenannte „Kostenlosmentalität“ der Netzgemeinde Kreativarbeiter immer stärker um ihre Verdienste prellt, sondern vielmehr die systemischen Abschöpfungsmechanismen von Arm zu Reich sich eben heutzutage immer mehr auf immaterielle Arbeit konzentrieren. (Kurze Werbeeinblendung: eben darum geht es in ICH FINDE ES GUT, DASS IM THEATER ALLE UMSONST ARBEITEN. DA IST MAN DOCH GERNE DABEI.) Und dieses neue Regime beinahe frewilliger Ausbeutung und Selbst-Kontrolle wird dann von potentiellen FDP-Wählern und selbsternannten Heilern eines selbstdognistizierten Kulturinfarkts, aber auch so manchem naiven Kreativarbeiter gerne als „Kreativwirtschaft“ und Zukunft der Arbeit abgefeiert.
Geht das wahre Problem aber bitte allmählich mal in die Köpfe? Wachen durch den Börsengang von Facebook jetzt bitte mal ein paar mehr Leute auf?

Wer, wie die „Wir-sind-die-Urheber„-Pamphletisten den Status-Quo der Verwertungsindustrie nicht nur verbissen verteidigt, vielleicht sogar auch noch ein Leistungsschutzrecht fordert, sollte wissen, dass er damit zwar ein paar Leuten noch eine Verdienstbrandmauer verschafft, die vor dem digitalkapitalistischen Wandel ein Weilchen schützen mag,  damit  aber auch zugleich für die weitere Öffnung der sozialen Schere kämpft. Wer umgekehrt aber das Urheberrecht mit „fuck your copyright blah blah blah“-Attacken komplett abgeschafft sehen möchte, weil Geistiges ja eigentlich irgendwie überhaupt kein Eigentum sei und allen ohne Schranken zustehe, sollte konsequenterweise auch seine Facebook-, Google+ und Twitteraccounts löschen, wo mit seiner kostenlosen immateriellen Arbeit wenige Großkonzerne sich eine goldene Nase verdienen. Ja ihr Lieben, so konsequent müsst ihr dann schon auch sein!

Damit wir alle in einer künftigen Kulturgesellschaft vernünftig ein Ein- und Auskommen haben können, müssen ein paar Weichen grundsätzlich anders gestellt werden. Frank Krieger z.B. in der – wer hätte das gedacht! – FAZ  macht schon mal einen bedenkenswerten Vorschlag: Roboter müssen unsere Rente sichern.
Wer vorm Sozialismus zurückschreckt, den Kapitalismus in seiner aktuellen neoliberalen Ausprägung aber irgendwie auch nicht mehr so recht will (und das wollen offensichtlich immer mehr, wie die Blockupy-Frankfurt-Demo letzten Samstag bewies), der sollte vielleicht doch einmal zweidrei Gedanken ans Grundeinkommen verschwenden. Wär zumindest mal ein Punkt, an dem man ansetzen könnte.

Andernfalls bliebe nämlich irgendwann nur noch, dem Ratschlag Heiner Müllers zu folgen, und alle Kreativarbeit mal ein Weilchen einzustellen, um somit den Motor ins Stottern zu bringen:

EINZIGE MÖGLICHKEIT HERAUSZUFINDEN
WAS EINE ANTWORT SEIN KÖNNTE DARAUF
ALLE THEATER SCHLIESSEN DANN WEISS MAN
HINTERHER VIELLEICHT WARUM THEATER