Alle Artikel mit dem Schlagwort “Inaesthetik

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Die Aufgabe des Theaters

Lesen!:

Das Theater soll uns in bester Biedermeier-Tradition ein ideales Leben vorspielen und uns das Gefühl geben, daran teilzuhaben. Dieses nur notdürftig kaschierte Kuschelbedürfnis hat sich absurderweise auch längst in jenes Theater eingeschlichen, das den Anspruch hat, ein politisches zu sein.
Das Theater unserer Tage macht sich der Politik ähnlich, anstatt diese zu unterlaufen oder gar aus der Position der Autonomie, des riskanten Experiments, vielleicht auch des Scheiterns heraus ganz neue Horizonte aufzuzeigen und so andere Lösungsansätze zu entwickeln. Bloß keine Unschärfe. Und schon gar keine Ironie. Keine Verunsicherung. Alles soll seine Richtigkeit haben und gut und nützlich sein. Das Theater als Fortsetzung des Leitartikels.(…)
Meine Strategie war stets, dass der Kritisierende sich selbst ins Zentrum der Kritik stellen muss, um glaubwürdig zu sein.(…)
Wir sind Ödipus. Egal wie kritisch wir uns mit den Ursachen der Pest auseinandersetzen, wie sehr wir dagegen sind und wie schön wir dies in einem einfachen Hauptsatz formuliert kriegen: Wir sind es selbst! Sich dieser Erkenntnis auszusetzen und damit umzugehen, wäre die Aufgabe des Theaters. Ohne sich hierzu zu verhalten, wird kein zeitgenössisches Theater wirklich politisch und aufrichtig sein.
Nicolas Stemann: Wir sind Ödipus. Überlegungen zum politischen Theater der Gegenwart

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Neues von der UNkunst

Passend zu 09/11, das Stockhausen ja bekanntlich als größtes Kunstwerk bezeichnet hat, mal wieder zwei Hinweise zur Frage: Was macht die Digitalisierung mit der Kunst?

Dirk von Gehlen nämlich postete neulich ein vielsagend-witziges Video von Buzzfeed weiter, das zu visualisieren versucht, was passiert, „If The Art World Had To Deal With YouTube Comments„.

Und auf golem.de war mal wieder von kreativen Maschinen zu lesen, die bald den Menschenkunsthandwerker obsolet machen könnten: Kunst, ausgerechnet!

Treffender ist eigentlich nicht zu konstatieren, das Kunst heute schon nicht mehr nur an den Rändern stattfindet, sondern vor allem in der „neuen“ (alten ?) Mitte. Also irgendwie überall und nirgends. Ob das Ende der Kunst durch die Kunst aber nun eher gut oder schlecht für die Kunst ist … das weiß ich im Moment auch nicht so genau.

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UNdialektik

Dies erlaubt zu sagen, dass es seit Hegel kein anderes philosphisches Hauptproblem gibt als dasjenige, die Dialektik ihrerseits zu konvertieren, zu versetzen oder zu ersetzen, zu zerbrechen oder zu dekonstruieren. Ob es um die Revolution geht oder um den entzogenen Tod, um die Liebe, um die Kunst oder um die Ökonomie, es handelt sich immer um die gleiche Problemstruktur: Es gibt einen Überschuss an Negativität, einen Verlust oder einen Rest als Überschuss, etwas jedem Kalkül Überzähliges, das mit der Vernunft zu prüfen uns unmöglich ist. In gewissem Sinne besitzt die Technik die Natur und die Struktur diese unbestimmten Verlierens oder Verlustes: Sie trennt auf, zerstört, verlagert, nicht um neu zu bilden, sondern um weiter zu verlagern, und ist somit nicht am Möglichen ausgerichtet, sondern an der wiederholten Ermöglichung des Unglaublichen und Unerhörten (mehr performance, mehr Information, mehr Transformation.) (…) wenn man also affirmieren muß, dann sei unsere Affirmation jene des Unmöglichen.
Wenn man das Unmögliche affirmiert, dialektisiert man es nicht, man domestiziert es nicht, man verkehrt es nicht in Mögliches, aber man treibt auch nicht das Spiel der nihilistischen Verzweiflung.
Jean Luc Nancy: Philosophische Chroniken. Zürich/Berlin: diaphanes, 2009, S. 60f.

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Das Zuvorkommende (VII): Das UNverhoffte der Kunst

Es geht um eine Kunst, die Anfänge anzeigt, wo Nihilismus herrscht, eine Kunst, die Modelle zuvorkommender Freiheit vor Augen führt und trotz allem, was dagegen spricht, eine anfängliche Entscheidung aufruft, eine immer wieder »erste Sprechweise, eine der Frage vorausgehende, zuvorkommende Antwort, Verantwortung für den Nächsten, die durch ihr ›für-den-Anderen‹ das ganze Wunder der Gebens ermöglicht.«
Das Zuvorkommende, diese Geste der Verantwortung eines in sich zerrissenen anfänglichen Sprechens, ist das Unverhoffte der Kunst. Kunst ist eine jeder Frage zuvorkommende Antwort für den Anderen. Weiterlesen