Alle Artikel mit dem Schlagwort “Poetik

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Das Zuvorkommende (VII): Das UNverhoffte der Kunst

Es geht um eine Kunst, die Anfänge anzeigt, wo Nihilismus herrscht, eine Kunst, die Modelle zuvorkommender Freiheit vor Augen führt und trotz allem, was dagegen spricht, eine anfängliche Entscheidung aufruft, eine immer wieder »erste Sprechweise, eine der Frage vorausgehende, zuvorkommende Antwort, Verantwortung für den Nächsten, die durch ihr ›für-den-Anderen‹ das ganze Wunder der Gebens ermöglicht.«
Das Zuvorkommende, diese Geste der Verantwortung eines in sich zerrissenen anfänglichen Sprechens, ist das Unverhoffte der Kunst. Kunst ist eine jeder Frage zuvorkommende Antwort für den Anderen. Weiterlesen

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Das Zuvorkommende (VI): Die UNfreiheit der Kunst

Freiheit als Freiheit für den anderen, als Verantwortung der Personalisierung, in dessen Verlauf der Mensch versucht, etwas aus dem zu machen, wozu man ihn gemacht hat? (…) Die Annahme eines Für-den-anderen des Subjekts könnte hierbei hilfreich sein, denkt sie doch das Subjekt als ein vom anderen (Menschen) her entfacht und so immer schon als verantwortlich. (…) Eine Verantwortung der Form für den Anderen befreit das Künstlersubjekt von der abgründigen Langeweile narzisstischer Depression und könnte das Subjekt der Kunst, das heißt das Werk, von vielen toten Theorien und Reduktionismen ideologiekritischer, kulturpessimistischer und kunstmetaphysischer Provenienz, freistellen.
Wilfried Dickhoff: Das Zuvorkommende. Eine Kunstkritik. Zürich-Berlin: Diaphanes, 2009, S. 41

Siehe auch UNtransparenz und das Spiel des Narziss.

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Das Zuvorkommende (V): Die UNtopie der Kunst

Das Unmögliche hat nichts mit der Utopie zu tun. Utopie ist Projektion eines Imaginären ins Unwirkliche einer Zukunft die es nicht geben wird. Das Un-Mögliche ist demgegenüber eine Figur des Wirklichen. Kunst, die sich dem stellt, ist eine weder idealistische noch realistische Parade des Un-Möglichen im Hier und Jetzt. (…) Das heißt aber nicht, das Unmögliche sei als nur scheinbar unmöglich zu erweisen und derart ins Reich des Möglichen aufzunehmen. Das Unmögliche ist und bleibt unmöglich; nur als solches ist es das, was wirklich zählt, zum Beispiel die Machtlosigkeit, die Gerechtigkeit, die Freiheit, die Gabe und all das, was wirklich zählt, in der Kunst und im wirklichen Leben. (…) »Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen« (Friedrich Nietzsche). Und ich möchte hinzufügen: der Schrecken der Wahrheit ist die Wahrheit der Kunst. Weiterlesen

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Das Zuvorkommende (IV): Kunst als paradoxe UNterbrechung

Wer eine Entscheidung fällen will, wer eine Verantwortung übernehmen will, muss also diese brechen, ablenken, unterlaufen, unterscheiden, differenzieren, verändern – das heißt das Unmögliche erfinden. (…) Aber kann Kunst das Unmögliche erfinden? (…) Einige dieser Arbeiten sehen aus, als ob sie möglich wäre: eine Kunst als Gegenärtigkeit von Intensitätsdifferenz, als nicht metaphysische Präsenz von Differenz, als eine intensive Anwesenheit, die nicht aufhört, die Unmöglichkeit von Gerechtigkeit, Freiheit und befreiter Subjektivität als unakzeptabel erscheinen zu lassen. (…) Trotz allem, was gegen sie spricht, realisiert sich eine solche Kunst in Form von paradoxen materiellen Ereignissen, deren Augenblicke bezeugen, dass die globalkapitalistische Spektakelkultur ncht alles gewesen sein kann.
Wilfried Dickhoff: Das Zuvorkommende. Eine Kunstkritik. Zürich-Berlin: Diaphanes, 2009, S. 27-29

Siehe auch Die Wahrheit der Kunst im Zeitalter des Digitalen – Plädoyer für die Passion des Paradoxes.