10. Januar 2009 - 17:00
Roman in Arbeit.
+++ Stellt euch vor: die Erde +++ Europa, die Alpen +++ Stellt sie euch vor – die Schweizer Alpen +++ Dort stellt euch ein abgelegenes Seitental vor, wie eine Scharte im Biss der Berner und Walliser Bergreihen +++ Der Gletscher, dessen Kriechung sich hier eingekerbt hat, schmolz über die Zeit ein Stück ab und hinterließ einen Fluss +++ Am hinteren Ende das Tals und Ursprung des Flusses, stellt euch auf dem südlichen Schatthang ein Hotel inmitten der eisigen Witterung vor; in seinem Rücken von Fichten und Lärchen umstellt, ein paar kleine Chalets an seiner steinernen Seite +++ Es blickt herab auf das Tal, auf das Blau-, Dick- und Höckerhorn ihm gegenüber und zum Gletscher zu seiner Rechten hinauf +++ Grand Hotel Paramontana steht auf einem Schild über dem Eingang +++ So riefen es noch die Menschen, als es begann +++
Schnelle geschickte Schnitte, sieben Haupt-, zahlreiche Nebenfiguren. Ihre Wege kreuzen sich in einem Hotel tief in der Schweiz. Da liegt es, einsam – und ist doch verbunden mit der Welt. Hier wird versteckt, spioniert, geforscht. Erholung? Aber ja. Winter 1996, die Bilder- und Überwachungszeit beginnt, die New Economy boomt. Spitzel, Sex and Drugs, ein Alter, ein Fremder, Wetter und Geld. Dazu ein Kind sowie ein undurchsichtiger Hotelbesitzer. Das Paramontana, ehrwürdig, ein wenig, alt, exzentrisch im Schnee gelegen, spekuliert. Vor allem aber hört es – und wird klüger.
Und wir erraten den Rest. Denn wie jeder Horrorfilm lehrt, wie jede Komödie zeigt: nichts ist schöner, als selbst die Puzzleteile zusammenzusetzen und die eigene Phantasie spannungsvoll in Gang gebracht zu sehen.
(Ulrike Draesner)
Der Aufbruch ins Internet- und Globalisierungs-Zeitalter mit seinem Auflösungsprozess alter Gewissheiten – und die dagegen verbindende Kraft des Hörens: Mehrere Personen treffen im Februar 1996 unverhofft im Hotel Paramontana, gelegen in einem verschlafenen Schweizer Alpental, aufeinander. Unvermeidlich enthüllen sich auf engem Raum und im Lauf einer turbulenten Woche nicht nur all ihre akustischen Vorlieben, Sinnsuchereien und Phantasie-Projektionen, es wird auch manche Frage an unsere digitale Zukunft, um die heute erbitterte Kämpfe toben, mit viel Hoffnung aber auch Naivität erstmals diskutiert – bis sich im rauschenden Faschings-Finale die Zukunft als selbst im Herrgottswinkel längst schon anwesend entpuppt.
HAUS DER HALLUZINATIONEN ist Teil einer losen Trilogie, die sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung/Vernetzung auf unser Leben und unsere mediale Wahrnehmung der Wirklichkeit um die Jahrtausendwende beschäftigt.
Die Arbeit an HAUS DER HALLUZINATIONEN wurde gefördert von der"Autorenwerkstatt Prosa" 2008 des Literarischen Colloquiums Berlin. Ein Textauszug ist auch im Märzheft der vom LCB herausgegebenen „Sprache im technischen Zeitalter" (SpritZ) nachzulesen. Außerdem gibt es eine Audio-Leseprobe auf literaturport.de.

Auszug als PDF
Interessierte Verlage können das vollständige Manuskript bzw. ein Exposé mit weiteren Leseproben gerne hier bei mir anfordern.