UNbücherlisten

Ich liebe Listen. Weil sie etwas Vergebliches versuchen: Ordnung in etwas zu bringen, was sich dem doch stets entzieht. So fand ich auch die Bloggeraktion „Die neuen 100 Lieblingsbücher der Deutschen“ eine schöne Idee. Wenn auch von vorneherein klar war, was sich da so an Ringeherren und Zauberlehrlingen auf den vordersten Plätzen finden würde. Als das Ergebnis nun verkündet wurde, war ich aber doch erschrocken. Douglas Adams, Michael Ende, okay. Aber Stephenie Meyer auf Platz 2 ist bitter. Und who the fuck ist diese Suzanne Collins auf Platz 1? Wenigstens kommt Dan Brown schlechter als erwartet weg. Aber dann wieder Ken Follett auf der 11? Gut, bei „Unsere Besten“ vom ZDF, dem man ja Konkurrenz machen wollte, landete der sogar auf Platz 3. Aber in deren Liste fanden sich wenigstens auch ein paar „Klassiker“, die älter sind als die letzte Marketingkampagne. Hesse, Mann, Goethe, Fontane, teilweise sogar halbwegs weit oben. In der neuen Liste stechen da nur der „Faust“ auf Platz 60 und Dürrenmatts „Die Physiker“ auf Platz 75 heraus. Da war sie wohl einmal erfolgreich: die Indoktrination im Deutschunterricht. Sonst reine Genre-Literatur der letzten Jahre, soweit das Auge reicht. Und kaum zeitgenössische deutsche Autoren, nichteinmal die in letzten Jahren buchbepreisten.

Ob’s an der Frage lag? Die neuen 100 Lieblingsbücher? Oder eben Lieblingsbücher, nicht „besten Bücher“? Geht mir ja auch oft so: Die flotte Unterhaltung liebt man, die Kunst aber verehrt man; das ist schon noch mal was anderes. Mit Frau Rowling könnte ich mir schon eher vorstellen, Sex zu haben, als mit … lassen wir das, sonst müssten wir hier auch noch über die Genderfrage reden. Hätte man vielleicht eher nach den Autoren gehen sollen? Und sollte man 7 Bände der gleichen Story nicht eigentlich als ein Werk zählen? Quod erat demonstrandum: Listen sind totaler Guatsch. Und dennoch toll. Denn über sie lässt sich vergleichen, abgrenzen, streiten.

Also hier mal meine eigene eingereichte TOP 15. Meine Hauptkriterien dabei: das biographische Immer-wieder-Darauf-Zurückkommen und der Einfluß aufs eigene Schreiben. Außerdem nur ein Buch pro Autor. Und, bätsch! weder Herrenringe noch Lehrlingszauberer schaffen es, wiewohl durchaus gelesen und geschätzt, in meine Liste, haha!

  • Christoph Ransmayr: Die letzte Welt
  • Dietmar Dath: Waffenwetter
  • Dostowjewski: Die Dämonen
  • Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis
  • Edgar Allan Poe: Arthur Gordon Pym (eigentlich fast alles von Poe, aber der Rest sind ja eben Kurzgeschichten; außerdem wär dann kaum noch Platz für was anderes …)
  • Gustave Flaubert: Madame Bovary
  • Helmut Krausser: UC
  • Italo Calvino: Wenn ein Reisender in einer Winternacht
  • Michael Ende: Die unendliche Geschichte
  • Paul Auster: Stadt aus Glas
  • Umberto Eco: Das Foucaultsche Pendel
  • William Gaddis: Die Fälschung der Welt
  • William Gibson: Neuromancer
  • William S. Burroughs: Naked Lunch
  • Wolf von Niebelschütz: Die Kinder der Finsternis

Die nächsten 15 wären übrigens:

  • Alban Nicolai Herbst: Wolpertinger oder Das Blau
  • Albert Camus: Die Pest
  • Arno Schmidt: KAFF auch Mare Crisium
  • Douglas Coupland: Shampoo Planet
  • E.T.A. Hoffman: Fantasiestücke in Callots Manier
  • Flann O’Brien: In-Schwimmen-Zwei-Vögel
  • Franz Kafka: In der Strafkolonie
  • Georg Klein: Libidissi
  • Jean Paul: Siebenkäs
  • Junot Díaz: Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao
  • Mark Z. Danielewski: House Of Leaves
  • Pynchon: Die Enden der Parabel
  • Salman Rushdie: Die satanischen Verse
  • Thomas Hettche: Die Liebe der Väter
  • Thomas Mann: Der Zauberberg

Und 7 „Große“, die ich immer noch nicht gelesen habe, die aber vermutlich zukünftig Einfluß auf diese Liste hätten

  • Georges Perec: Das Leben. Gebrauchsanweisung
  • Hermann Melville: Moby Dick
  • James Joyce: Ulysses
  • Laurence Sterne: Tristram Shandy
  • Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
  • Miguel de Cervantes: Don Quijote
  • Vladimir Nabokov: Ada oder das Verlangen

Kommentar (1)

  1. Pinkback: Das UNsoziale Buch – Ein Einwurf zur E-Book-Kontroverse | popp-ART

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