Das Zuvorkommende (I): Die aktuelle UNkunst

Aus aktuellem Anlass der allseits kontrovers diskutierten dOKUMENTA und der Frankfurter Koons-Ausstellung beginne ich hiermit eine kleine Serie von Exzerpten aus Wilfried Dickhoffs großartig-grollendem Kunstkritikbändchen Das Zuvorkommende. Die Thesen sind dermaßen auf die neuraligischen Punkte meines eigenen Kunstverständnisses formuliert, das sich Kommentare meinerseits meistenteils erübrigen. Wer deshalb gleich die Copyrightpolizei anrufen will, dem sei das Zitatrecht der Wissenschaft entgegengehalten; spätestens seit der Entdeckung des Higgs-Teilchens wissen wir ja, das die heute auch irgendwie Kunst ist. Und das ist sowieso auch dieser Blog, wie man meinen Artikel Popeye glänzt entnehmen kann. Sowieso werde ich da und dort auf ähnliche popp-ART-Inhalte verlinken. Womit Dickhoff immerhin bezugstiftend in das Blogrhizom eingeflochten wäre.

Jetzt aber zur Sache:

Das Verschwinden der Kunst, das schon Hegel ankündigte, scheint sich weiter zu verewigen, in Form blinder Bilderproduktionen und in Form selbstreflexiver visueller Bildvermeidungsproduktionen. Die ewige Wiederkehr des Neuen, diesem Bewegungsgesetz  der Mode gehorchend, nässt sich die »Fabrikation der Fiktionen« (Carl Einstein) farbenfroh und formenreich durch die Institutionen, die ihre hypermodernen Kunsteffekte als Kunst beglaubigen, gestützt durch eine Vielfalt von Kunstdienstleistungsunternehmen zur Befriedigung von »Erlebnis-Trunkenboldigkeit«, in der auch Heidegger einen Höhepunkt des Nihilismus sieht.
Kunst heute ist keine Verräumlichung eines autonomen Anderen (mehr?). Ihre idealistischen Gründe und visionären Perspektivismen sind verbraucht oder werden multimedial verwischt und verfügbar gemacht, in einem Betrieb, der selbst Haltungen bestimmter Negation als Stereotypien institutionalisiert, in Kooperation mit Finanzmärkten, deren Kunstkriterien den Kunstmartk und seine Sammler zunehmend dominieren. Auch alle Versuche, Umarmungen des Marktes als  punknostalgische  Negation zu verkaufen, differenzieren ihn nicht, sondern bedienen ihn nur.
Wilfried Dickhoff: Das Zuvorkommende. Eine Kunstkritik. Zürich-Berlin: Diaphanes, 2009, S. 8f.

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